Der Erfolg lässt sich sehen: Pro Jahr werden über 250 GWh gespart, das entspricht dem Stromverbrauch von 84’000 Genfer Haushalten! Die Effizienzsteigerungen, die zwischen 0,5% und 1% pro Jahr betragen, machen sich sowohl für die Verbraucher als auch für die Allgemeinheit bezahlt. Das éco21-Team (ca. 30 Fachleute) wird von den SIG mit einem Jahresbudget von rund 15 Mio. CHF ausgestattet. Die Betriebskosten des Programms für die SIG belaufen sich somit auf ca. 4 Rp. pro eingesparter kWh.
Der Einbezug von Fachleuten aus der Branche (Heizungsinstallateure, Elektriker usw.) und das Engagement verschiedener Interessengruppen (Detailhandel, Kanton, Gemeinden, Fachhochschulen, Universität usw.) haben sich als entscheidender Hebel erwiesen, um zu einem «besseren und geringeren Stromverbrauch» zu motivieren. Als Förderinstrument ermöglicht das Programm éco21, die Stromrechnungen von Unternehmen und Haushalten jedes Jahr um mehr als 40 Mio. CHF zu entlasten und gleichzeitig Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen, die der lokalen Wirtschaft nützen. Dank éco21 hebt sich Genf vom Rest des Landes ab: Während der Pro-Kopf-Stromverbrauch seit 2009 in der Schweiz insgesamt um 0,94% pro Jahr gesunken ist, ist er in Genf um ganze 1,44% pro Jahr gesunken.
Würde man diesen Ansatz schweizweit umsetzen, indem man den EVU oder VNB Energiesparziele setzt, wären über einen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren strukturelle Stromeinsparungen von 4 bis 6 TWh möglich: ein willkommener Gewinn, um CO2-freie Mobilitäts- oder Wärmetechnologien zu fördern. Nicht nur in Genf ist die nicht verbrauchte kWh nach wie vor die günstigste − sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Das Anstreben einer maximalen Energieeffizienz ist mittlerweile allgemein anerkannt, doch es wird immer noch zu oft vergessen, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen.
Es scheint klar, dass wir alles tun müssen, um ineffiziente Technologien aus dem Markt zu entfernen. Aber wäre es nicht sinnvoll, die Bedürfnisse zu hinterfragen, die uns dazu bringen, immer mehr Technologien einzusetzen? Die Suffizienz beim Energieverbrauch, der nicht-technologische Aspekt des Energiesparens, erweist sich zunehmend als vielversprechende Ergänzung, ja als notwendige Voraussetzung für den Übergang zu einem kohlenstofffreien und sicheren Energiesystem, im Sommer wie im Winter.
Am Anfang war die Suffizienz
Der französische Begriff für Suffizienz, sobriété, hat einen griechischen Ursprung. Er ist Ausdruck einer Haltung der Mässigung, die Hybris, also Masslosigkeit, verhindern soll. Das griechische Wort sôphrosunè entwickelte sich im Lateinischen zu sobrietas. Im Englischen spricht man heute von sufficiency und im Deutschen auch von Suffizienz, was intuitiv einen Zustand von «genug», «ausreichend», des richtigen Masses widerspiegelt.
Diese Vorstellung von Suffizienz als Voraussetzung für ein glückliches Leben, in dem körperliche, geistige und emotionale Erfüllung charakteristisch ist für einen freien und tugendhaften Bürger, entwickelt sich ab dem 17. Jahrhundert weiter: Nach der industriellen Revolution verbreitet sich das Konzept der Suffizienz nach und nach als Reaktion auf den Wirtschaftsliberalismus, der hauptsächlich auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und die Anhäufung von materiellen Gütern ausgerichtet ist.
Suffizienz, verstanden als bewusster Verzicht auf überflüssigen Konsum, als Ablehnung des opulenten Lebensstils einer Elite, erscheint – seit den 1960er-Jahren und den Veröffentlichungen des Club of Rome – immer mehr als Antwort auf die ökologischen und energiepolitischen Herausforderungen. Autoren wie der verstorbene Pierre Rhabi haben dazu beigetragen, dass die glückliche Suffizienz zu einem kreativen, aktiven und sinnstiftenden Begriff geworden ist.
In Frankreich wurde auf Initiative des Vereins négaWatt wichtige konzeptionelle Arbeit geleistet, insbesondere von der ADEME (Agence de la transition écologique), die die kollektive Dimension der Suffizienzstrategien betont: «Suffizienz bedeutet, unsere Bedürfnisse zu hinterfragen und bei ihrer Erfüllung die Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen. Sie muss uns dazu bringen, unsere Produktions- und Konsumgewohnheiten und ganz allgemein unsere Lebensweise auf individueller und kollektiver Ebene zu verändern.» (ADEME 2021)
In Zeiten vielfältiger Krisen (Klima, Geopolitik, Gesundheit usw.) ist es erfreulich, dass es innovative Suffizienzlösungen gibt, die sehr wirkungsvoll sein könnten.
Auch wenn das Thema in der Schweiz noch ein wenig tabu ist, haben Pioniere wie die Stadt Zürich im Zuge des Konzepts der «2000-Watt-Gesellschaft» das Potenzial dieses Begriffs erkannt. Der Kanton Genf ist einer der ersten öffentlichen Akteure, der Suffizienzmassnahmen in Planungsinstrumente wie den Energierichtplan integriert hat, der Suffizienz als ersten strategischen Schwerpunkt betrachtet. Der Kanton Waadt hat das Thema kürzlich ebenfalls aufgegriffen und stellt derzeit Fachleute ein, die seine zukünftige Suffizienzpolitik begleiten sollen.
Ein öffentlicher Ansatz zur Suffizienz beim Energieverbrauch zielt darauf ab, die Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs zu bündeln, indem die gesamte Energienutzung in allen Sektoren erfasst wird. Es handelt sich also um eine sektorübergreifende Politik mit vielfältigen Aktionshebeln und gezielten Massnahmen entsprechend den verschiedenen Anwendungsgebieten (Wohnen, Dienstleistungen, Industrie, Verkehr, Landwirtschaft usw.).
Diese kollektiven Ansätze zur Suffizienz setzen bei den zwei traditionellen Hebeln Angebot und Nachfrage an: Es geht darum, einerseits das Angebot an Waren und Dienstleistungen zu regulieren, die nicht mit den planetaren Grenzen vereinbar sind, und anderseits Anreiz- und Förderprogramme zu schaffen, die zur Deckung der Energienachfrage beitragen:
- Die Anreize können finanzieller (Prämien, Preisnachlässe, anreizorientierte Tarife usw.) oder symbolischer Natur sein (öffentliche Anerkennung, Preisverleihung, Gütesiegel); denkbar sind beispielsweise eine Kilometerpauschale für Fahrräder, Partnerschaftsvereinbarungen mit lokalen Unternehmen oder die Einführung eines Grundeinkommens, das an die lokale Währung gekoppelt ist, um Rebound-Effekte zu begrenzen.
- Es werden auch restriktivere Massnahmen erlassen: Festlegung von Quoten oder gesetzlichen Vorgaben (Verbrauchsobergrenzen pro Quadratmeter Gebäudefläche, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Beschränkung von Flugreisen usw.).
- Auch Anreize, die ein unbewusstes Handeln erleichtern («Nudging» oder Standardauswahl), sind wirksam und schmerzlos: «Wenn Sie nicht-erneuerbare Energie verbrauchen wollen, klicken Sie hier»; «Reisen Sie wie die meisten Schweizerinnen und Schweizer nicht mit dem Flugzeug in die Ferien» usw.
In jedem Fall ist eine angemessene Überwachung der Auswirkungen dieser Massnahmen erforderlich, auch um sicherzustellen, dass die gewährten öffentlichen Mittel effizient für den beabsichtigten Zweck eingesetzt werden.