Die 5 Indikatoren im Detail
Stromnachfrage (86 Punkte im Jahr 2050)
Ist-Situation: Aktuell liegt der Wert der Stromnachfrage pro Person noch auf Zielpfad. Der Verbrauch steigt aber stärker als vom Bund bisher erwartet, vor allem durch Elektromobilität und neue Anwendungen wie beispielsweise Rechenzentren.
Soll-Situation: Effizienz muss konsequent gesteigert werden. Intelligentes Lastmanagement und digitale Steuerungssysteme sind nötig, um Spitzen zu glätten. Zusätzlich braucht es einen beschleunigten Ausbau der inländischen Stromproduktion.
Erneuerbare Energien (83 Punkte)
Ist-Situation: Die Winterproduktion bleibt weit hinter den Zielen zurück. Der Ausbau von Windkraft, Wasserkraft und PV-Alpin stockt und PV-Dachanlagen können im Winter nur einen beschränkten Beitrag leisten. Die Vorgaben des Stromgesetzes werden deutlich verfehlt.
Soll-Situation: Mehr Akzeptanz und schnellere Verfahren für Grossprojekte sind entscheidend. PV muss konsequent auf Winterproduktion ausgerichtet werden. Insbesondere der Ausbau der Wasser- und Windkraft ist zentral, da ohne einen deutlichen Zubau die Ziele für die Winterstromproduktion nicht erreicht werden können. Bei der Wasserkraft ist neben den grossen Speicherkraftwerken auch ein Ausbau von kleinen und mittleren Anlagen erforderlich. Selbst bei Umsetzung aller gemeldeten Projekte bleiben die Ziele unerreichbar.
Flexibilität (52 Punkte)
Ist-Situation: Saisonale Speicherprojekte kommen nur schleppend voran. Der Bund strebt 2 TWh bis 2040 an, realistisch sind derzeit nur rund 1 TWh.
Soll-Situation: Lösungen für neue Wasserkraftwerke müssen gefunden werden. Alternativ sind steuerbare thermische Kraftwerke erforderlich.
Zusätzliche Stromproduktion (63 Punkte)
Ist-Situation: Der Indikator Zusätzlicher Strom liegt 2050 nur bei 63 Punkten. Damit entsteht ab 2040 ein deutlicher Bedarf an zusätzlicher inländischer Stromproduktion – etwa durch mehr Windkraft, den Einsatz von Gaskraftwerken oder den Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke. Zusätzliche Importe wären mit einem Stromabkommen zwar möglich, würden jedoch den Importrichtwert und damit das Ziel einer höheren Unabhängigkeit verletzen und setzen zudem ausreichende Exportkapazitäten der Nachbarländer voraus. Für absolute Notlagen sind Reservekraftwerke vorgesehen. Ab 2045 ist im Winter mit einem Mehrbedarf von rund 50 Prozent zusätzlicher Produktion zu rechnen vor allem bedingt durch die voraussichtliche Stilllegung der beiden letzten Schweizer Kernkraftwerke.
Soll-Situation: Zur Sicherung der künftigen Versorgungssicherheit braucht es ein Bündel koordinierter Massnahmen. Dazu gehören verstärkte Anstrengungen von Bund und Branche, um die Akzeptanz für Windkraft zu erhöhen. Gleichzeitig sollen weitere Optionen für eine zusätzliche inländische Stromproduktion geprüft werden – etwa neue Gaskombikraftwerke oder ein möglicher Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke. Zudem ist ein Stromabkommen mit der EU mit möglichst schlanker innerstaatlicher Ausgestaltung rasch umzusetzen.
Netz (57 Punkte)
Ist-Situation: Der Netzausbau ist zu langsam, rund die Hälfte der Projekte verzögert. Zudem sind Grenzkapazitäten ohne Stromabkommen nicht gesichert.
Soll-Situation: Stromabkommen rasch verabschieden und den Netzumbau beschleunigen. Der «Netzexpress» muss vom Parlament beschlossen werden, um Verfahren zu vereinfachen.
VSE fordert entschlossenes Handeln
Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, müssen jetzt zentrale Weichen gestellt werden. Entscheidend ist, die folgenden Massnahmen umzusetzen, um den Stromversorgungs-Index schrittweise in Richtung des Zielwerts von 100 Punkten zu verbessern. Dabei handelt es sich nicht nur um technische, sondern auch um gesellschaftliche und politische Entscheidungen.
Der Abschluss eines Stromabkommens würde die Nutzung der Grenzkapazitäten sichern, ein beschleunigter Netzausbau ermöglicht den Anschluss neuer Produktionskapazitäten, und saisonale Speicher sowie alternative Wasserkraftprojekte müssen geprüft und ausgebaut werden. Doch auch wenn der gezielte Ausbau von Windkraft und der Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke helfen, kurzfristige Engpässe zu vermeiden, so sind sie dennoch keine dauerhafte Lösung. Weitere Massnahmen werden auch über 2050 hinaus notwendig sein – ein blosses Hinauszögern gefährdet die Versorgungssicherheit.
Das Zielbild für 2050 ist klar: Effizienzsteigerungen sind umgesetzt, die Winterstromproduktion durch gezielten Ausbau von Wasserkraft, Windkraft und PV-Alpin gesichert, ergänzende Produktionskapazitäten – also flexible, bedarfsgerechte Anlagen zur Absicherung in Zeiten geringer erneuerbarer Produktion – stehen bereit, Speicher und Flexibilitäten sind ausgebaut und das Stromnetz ist modernisiert sowie grenzüberschreitend leistungsfähig.
«Die Ergebnisse sind ein Weckruf: Ohne rasches Handeln droht der Schweiz eine Versorgungslücke – vor allem im Winter», warnt Michael Frank, Direktor VSE. «Wir brauchen Tempo beim Ausbau von Produktion, Speichern und Netzen – sonst wird die Energiewende zur Versorgungskrise», ergänzt Frank. Martin Schwab, Präsident VSE, unterstreicht: „Die Schweiz steht vor einer entscheidenden Weggabelung: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen jetzt gemeinsam handeln, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.“
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