Nadine Brauchli, der VSE bezeichnet Wasserstoff als vielversprechenden Energieträger für die Zukunft. Was ist die Rolle von H2 im künftigen Energiesystem der Schweiz?
Wasserstoff kann wesentlich zur Stromproduktion im Winter beitragen: Thermische Kraftwerke, die mit Wasserstoff betrieben sind, haben den grossen Vorteil, dass sie steuerbar, flexibel und natürlich klimafreundlich sind. Wasserstoff kann so die erneuerbare, mehrheitlich wetterabhängige Produktion aus Wasserkraft, PV und Windkraft komplementieren. Sofern Wasserstoff künftig günstig und in grösseren Mengen aus der EU importiert werden kann, wovon wir in der «Energiezukunft 2050» ausgehen, ist ein Energiesystem mit Wasserstoff günstiger und robuster als andere Systeme. Wasserstoff wird zudem in Anwendungen, die nur schwer elektrifiziert werden können, eine Rolle spielen. Ich denke etwa an die Industrie oder den Verkehrssektor (Schwerlastverkehr).
Damit grüner Wasserstoff ab 2040 im grossen Stil importiert werden kann, braucht es ein Energieabkommen mit der EU. Ist das Szenario realistisch genug, um sich voll darauf zu verlassen?
Wir brauchen ein Abkommen mit der EU im Bereich Energie, denn die Schweiz wird auch in Zukunft bei vielen Energieträgern auf Importe, aber auch Exporte angewiesen sein. Der Austausch macht das Gesamtsystem robuster und effizienter. Ein Stromabkommen ist zwar prioritär, wird langfristig aber kaum reichen, da Energieträger vermehrt ineinander überführt werden und nicht losgelöst gedacht werden können (Sektorkopplung) – wohl auch nicht in der EU.