Der Stromaustausch mit den Nachbarn war schon immer ein entscheidender Faktor für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung in der Schweiz: Im Winter importiert die Schweiz, im Sommer exportiert sie, und bei Knappheiten dies- oder jenseits hilft man sich situativ aus. Dieser Austausch wird mit dem Umbau des Energiesystems noch viel wichtiger. Denn mehr schwankende Produktion heisst auch mehr Ausgleichsbedarf. Je grösser das System ist, desto mehr Optionen bieten sich für diesen Ausgleich, und desto resilienter und effizienter ist es insgesamt.
So rosig es in der Theorie tönt, so garstig ist es in der Praxis. Die Schweiz war zwar 1958 Pionierin des europäischen Verbundsystems. Doch seit Jahren wird sie mehr und mehr daraus ausgeschlossen, weil in der EU der Binnenmarkt konsolidiert wird. Das bedeutet steigende Risiken für die Versorgung, da im Übertragungsnetz immer häufiger kurzfristige Schwankungen auftreten und Swissgrid eingreifen muss, um das Netz stabil zu halten. Und es bedeutet steigende Kosten für die Konsumentinnen und Konsumenten. Um nur zwei Gründe zu nennen: Die Schweiz muss mehr eigene, kostspielige Notfallreserven vorhalten. Und da sie in Europa von Plattformen ausgeschlossen wurde, wo Energie zur Stabilisierung des Stromnetzes, sogenannte Regelenergie, gehandelt wird, ist das Angebot knapp geworden. Die neuste Eskalationsstufe ist nun, dass die ElCom mit einer Preisobergrenze in den Markt eingegriffen hat.