Mit der Dekarbonisierung des Mobilitätssektors stehen grosse Veränderungen im Energiesektor an. Politische Beschlüsse von Bund, Kantonen und Stadt (Stadt Zürich: «2000-Watt-Gesellschaft») verstärken den Umbruch in der Stromlandschaft zusätzlich. Die Anzahl Elektrofahrzeuge im Versorgungsgebiet wird gemäss behördenverbindlichen Szenarien (BFE: «Energieperspektiven 2050+»; Stadt Zürich: «Ein neues Klimaschutzziel für Zürich») in den nächsten Jahren stark ansteigen. Dies stellt für ewz eine Herausforderung dar. Neben Elektrofahrzeugen haben Wärmepumpen und PV-Anlagen zudem neuartige Bezugs- und Einspeiseprofile sowie hohe Bezugs- respektive Einspeiseleistungen (M. Auer, E. Kaffe und R. La Fauci: «Impact of Fast Charging and Home Charging Infrastructure for Electric Vehicles on the Power Quality of the Distribution Grid»). Dadurch wird der Lastfluss im Stromnetz massgeblich verändert, was zu punktuellen Überlastungen der Betriebsmittel führen könnte. Die bisher meistangewandte Massnahme, um darauf zu reagieren, ist der konventionelle Netzausbau respektive die Netzverstärkung. Dies ist meist mit hohen Kosten verbunden. Durch die gleichzeitig voranschreitende Digitalisierung ergeben sich jedoch für ewz neue Möglichkeiten im Umgang mit diesen Technologien im Netz. Daher wird eine optimale Kombination aus Intelligenz und konventionellen Netzausbau angestrebt.
Die im Netz verbauten Anlagen haben eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren, deshalb muss ein Verteilnetzbetreiber langfristig planen. Um mit Unsicherheiten umgehen zu können, braucht es in der Langfristplanung einen Szenariorahmen, der auf die nächsten 30 bis 40 Jahre ausgelegt ist. Hierfür müssen verschiedene Treiber identifiziert werden, die die Entwicklung des Netzes beeinflussen können (zum Beispiel Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge oder PV). Sie stützen sich zudem auf die Energieperspektiven 2050+ des Bundes sowie die Rahmenbedingungen des Netto-Null-Ziels bis 2040 der Stadt Zürich (siehe oben «Ein neues Klimaschutzziel für Zürich»). Aus dem Szenariorahmen wird ein Referenzszenario erstellt, welches regelmässig aktualisiert wird und als Planungsgrundlage für sämtliche Vorhaben im Verteilnetz von ewz dient. Anhand dieser Methode hat ewz den Smart-Grid-Rollout in der Stadt Zürich geplant und dessen Umsetzung gestartet.
Der Weg vom Monitoring zur Steuerung
Infolge der erwarteten Zunahme der Elektromobilität wird der Strombedarf stark ansteigen. Für die Dimensionierung des Netzes ist unter anderem die Leistung massgebend. Die Elektromobilität verursacht durch hohe Ladeleistungen und eine hohe Gleichzeitigkeit Leistungsspitzen im Netz (siehe Grafik unten). Da das Verteilnetz der Stadt Zürich lastgetrieben ausgebaut wird, sind im ersten Moment Lasten kritischer zu betrachten als die dezentrale Produktion von Strom. Der erwartete Lastanstieg wird daher einen Einfluss auf die Netzinfrastruktur und punktuell einen forcierten Netzausbau zur Folge haben. Ein solcher Ausbau ist jedoch kostspielig und zeitintensiv. Aus diesen Gründen werden Rahmenbedingungen geschaffen, die den konventionellen Netzausbau mit dem Ausbau des Smart Grid kombinieren. Damit der konventionelle Netzausbau möglichst geringgehalten werden kann, sollen der Bezug optimiert und die Lastspitzen verschoben werden; ewz verfolgt dazu einen Vier-Stufen-Plan.