Dezentrale Produktion und Vermarktung: ZEV, vZEV und LEG (EnG / EnV)
Mit der Weiterentwicklung von Eigenverbrauchsmodellen (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ZEV und virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch vZEV) und der Einführung Lokaler Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) wird es einfacher, die Erzeugung, den Verbrauch und die Speicherung von Strom dezentral zu koordinieren. Innerhalb des öffentlichen Verteilnetzes entstehen lokale Märkte mit klaren Mess- und Abrechnungsregeln, die einer peer-to-peer-Logik folgen.
Damit solche Modelle funktionieren, braucht es klare Regeln für den Zugang zum Markt und transaktionsfähige neue Akteure.
Kernhebel: neue und erweiterte Regeln für Eigenverbrauch und LEG
- Der Mantelerlass erweitert Eigenverbrauchsmodelle (u.a. Nutzung lokaler Infrastruktur auf Niederspannung, neue Ausgestaltungen von Zusammenschlüssen) und führt die LEG ein. Das ermöglicht lokale Handels- und Sharing-Modelle (Prosumer-Wirtschaft), die im alten Monopolparadigma kaum abbildbar waren.
- Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) konkretisiert die operative Umsetzung: Was gilt als Strom aus der Gemeinschaft und was als Netzbezug, wie wird gemessen und bilanziert und welche Netznutzungsentgelte und Tarife fallen an.
Marktwirtschaftlicher Effekt: Die Wertschöpfung verlagert sich von zentraler Lieferung hin zu dezentralen Transaktionen (lokale Vermarktung, Aggregation, Dienstleistungen). Dies führt zu mehr Marktteilnehmern, mehr Produktdifferenzierung und damit zu mehr Wahlmöglichkeiten.
Aufgrund dieser Neuerungen verschiebt sich auch die Rolle des klassischen Versorgers: Er bleibt Netzbetreiber und Grundversorger, aber Erzeugung, Verbrauch und Speicherung können stärker in Community-Strukturen organisiert werden. Peer-to-Peer-Logiken und Sharing-Modelle werden regulatorisch verankert. Der klassische Lieferpfad «zentrale Produktion → EVU → Endkunde» wird ergänzt durch dezentrale lokale Transaktionsstrukturen.
Daten- und Messinfrastruktur als Wettbewerbs-Enabler
Kernhebel: intelligente Messsysteme, Messtarife, Datenplattform
Damit neue Tarife, LEG oder Flexibilitätsangebote funktionieren, braucht es moderne Messsysteme (Smart Meter) und klare Regeln, wer welche Daten bekommt. Der Mantelerlass treibt deshalb Themen wie Smart Metering, intelligente Messsysteme, Messtarife und Datenplattform voran.
Marktwirtschaftlicher Effekt: Wettbewerb wird erst möglich, wenn Datenzugang, Prozesse und Abrechnung standardisiert und skalierbar sind. Darum werden hausinterne Sonderlogiken ersetzt durch standardisierte Marktprozesse mit interoperablen Systemen. Wichtig ist dabei: Der Zugang zu den Daten muss für alle Marktteilnehmer gleich geregelt sein.
Transparenz- und Benchmarking-Instrumente im Netzbereich
Auch wenn das Netz ein natürliches Monopol bleibt, sollen VNB stärker vergleichbar werden. Benchmarking-Ansätze («Sunshine»-Regulierung), Veröffentlichungspflichten und strengere Dokumentationsanforderungen dienen diesem Zweck.
Marktwirtschaftlicher Effekt: Das Netz wird stärker in Richtung vergleichbarer Performance, Publizität und Nichtdiskriminierung gedrückt – ein typisches marktwirtschaftliches Korrektiv für Monopole.