Während sich der Winter 2022/23 energietechnisch noch im Spätsommer 2022 als sehr problematisch dargestellt hatte, sieht die Lage nun, im Februar 2023, schon deutlich entspannter aus. Die europäischen Gasspeicher konnten bis zum Beginn der Heizperiode gefüllt werden, und dank des milden Herbstes verschob sich der übliche Beginn auch noch um mehrere Wochen. Der Gaspreis brach aufgrund der nunmehr verfügbaren Überkapazitäten sogar deutlich ein. Im Dezember gab es dann durch eine unübliche Kälte eine Trendumkehr, die aber auch nur wenige Wochen andauerte. Bereits nach Weihnachten konnte wieder Gas eingespeichert werden. Auch die Strompreise fielen wieder bis Jahresende. Zum Teil wurde Strom sogar wieder verschenkt. Aber nur während kurzer Zeit. Eine im Herbst noch in vielen Ländern befürchtete Gas- oder Strommangellage war und ist daher nirgends erkennbar. Alles wieder nur Übertreibung und Angstmache also?
Kommt noch eine Kältewelle?
Für einen solchen Schluss ist es wohl noch deutlich zu früh, besteht doch noch immer die Möglichkeit einer überregionalen Kältewelle mit einem deutlich erhöhten Energiebedarf. Die Auswirkungen wären wohl nicht mehr so dramatisch, wie sie hätten sein können, wäre es bisher der Jahreszeit entsprechend kalt gewesen. Daher hat es wohl auch etwas mit Glück zu tun.
Winter 2023/24
Worüber sich aber bereits viele Experten einig sind, ist, dass die Grundprobleme noch immer nicht gelöst sind und im nächsten Winter noch viel problematischer werden können. Dies betrifft einerseits die europäische Gasversorgung, die durch den Wegfall des russischen Gases erheblich durcheinandergekommen ist, und zum anderen die Stromversorgung, die wiederum von der Gasversorgung abhängig ist. Die grosse Unsicherheit, ob Frankreich bis zu diesem Winter wieder genügend Kernkraftwerke ans Netz bringen kann, konnte zwar bewältigt werden. Auch hier halfen die milden Temperaturen zum Jahreswechsel. Zuvor waren die Importkapazitäten zum Teil bereits bis zum Maximum ausgereizt. Die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke bleibt aber weiterhin ein Unsicherheitsfaktor, der etwa auch die Schweiz, die im Winter auf Stromimporte angewiesen ist, betrifft. Auch Österreich ist im Winter massiv importabhängig und bezieht diesen Strom hauptsächlich aus Deutschland und der Tschechischen Republik. In Deutschland sollen aber im April 2023 die letzten drei Kernkraftwerke vom Netz gehen, womit auch die verlässlichen Überkapazitäten deutlich zurückgehen werden. Offen bleibt, ob die Kohlekraftwerke, welche nun kurzfristig für den Winter 2022/23 reaktiviert wurden, weiterhin am Netz bleiben. Ein Teil davon war eigentlich bereits für die Stilllegung vorgesehen. Kurz und knapp: Die Grundprobleme im europäischen Verbundsystem werden in den nächsten Jahren nicht weniger, sondern absehbar mehr.