Die Anzahl der teilnehmenden Akteure im Schweizer Intraday-Markt zeigt ebenfalls eine klare Aufwärtsentwicklung. Gemäss EPEX Spot stieg die Zahl der zugelassenen Teilnehmenden am Intraday-Markt zwischen Ende 2023 und 2024 von 74 auf 80, gefolgt von einem weiteren Anstieg auf heute 95 aktive Teilnehmende. Angesichts der ca. 590 Verteilnetzbetreiber [7], die zur Abnahme und Vergütung von PV-Überschusseinspeisungen verpflichtet sind, ist aber festzuhalten, dass eine grosse Anzahl dieser Akteure nach wie vor über keinen bzw. zumindest keinen direkten Intraday-Marktzugang verfügen.
Hohe Hürden für Intraday-Marktzugang in der Schweiz
Die vergleichsweise geringe Anzahl an Akteuren mit direktem Intraday-Marktzugang lässt sich dadurch erklären, dass sich ein eigener Zugang für viele Marktteilnehmende in der Schweiz nicht lohnt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Die technischen und regulatorischen Anforderungen sind hoch. So verlangt ein 24/7-Betrieb ein qualifiziertes Trading-Team mit zertifizierten Händlern, wobei realistischerweise mindestens 5-10 Mitarbeitende nötig sind. Parallel dazu müssen IT-Systeme initial aufgebaut, betrieben, aktualisiert und gegen Cyber-Risiken geschützt werden. Die Automatisierung, der algorithmische Handel und damit stetig steigende Datenvolumen erhöhen zudem die technische Komplexität und die Anforderungen an die IT laufend.
Auch auf Compliance-Seite kann ein direkter Intraday-Marktzugang mit einem erhöhten Aufwand aufgrund der höheren Komplexität des Intraday-Handels und des Balancings einhergehen – beispielsweise in Bezug auf das Meldewesen oder interne Kontrollsysteme. Zusätzlich müssen beim Zugang zu EPEX SPOT Sicherheiten hinterlegt werden, was die Zusammenarbeit mit Clearingbanken sowie eine laufende Liquiditätsbereitstellung erfordert.
Für kleinere und mittelgrosse Versorger, Produzenten oder auch Aggregatoren ist das Aufsetzen eines solchen Gesamtpakets mit den entsprechenden nachgelagerten Konsequenzen weder ökonomisch noch organisatorisch realistisch, zumal selbst der weniger komplexe Day-Ahead-Handel Stand heute nicht selten noch ausgelagert wird.
Plattform-basierte indirekte Marktzugänge als Lösung
Als Lösung können Intraday-Marktzugangsplattformen eine entscheidende Rolle spielen, indem sie die Eintrittshürden drastisch senken und einen breiten Zugang und eine aktive Teilnahme am Intraday-Markt ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist die neu entwickelte Intraday-Handelsplattform von Alpiq. Sie zielt speziell darauf ab, den Intraday-Handel einfacher zugänglich, schneller erreichbar und insbesondere die Preise transparenter zu machen.
Intraday-Marktzugangsplattformen reagieren auf den strukturellen Wandel im Energiesystem: Der rasche Zubau von Photovoltaik und volatilere Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels steigern den Bedarf nach kurzfristigem Ausgleich. Und nicht zuletzt funktionieren solche neu geschaffenen Zugangsmodelle wie ein «Flexibilitäts-Multiplikator»: Sie ermöglichen Akteuren ohne eigene Handelsinfrastruktur, kurzfristig auf Prognosefehler oder Lastschwankungen zu reagieren – und damit einen Beitrag zur Systemstabilität zu leisten. Je mehr Marktteilnehmer Zugang zum Intraday-Markt erhalten, desto besser können Prognoseabweichungen ausgeglichen und Ausgleichsenergie vermieden werden. Packen wir es an!