Der Ausbau der Solarenergie schreitet voran, es gibt immer mehr Elektroautos und Wärmepumpen. Eine Herausforderung, die unser Stromnetz an seine Belastungsgrenze bringt. Um Schritt halten zu können, muss das Netz ausgebaut werden. Wie aber kann das Stromnetz fit für die Zukunft gemacht werden ohne teuren Ausbau der Infrastruktur? Diese Frage beschäftigt derzeit die gesamte Strombranche. Auf der Suche nach Antworten hat EKZ im Herbst 2021 das Pilotprojekt OrtsNetz ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der ETH Zürich und unterstützt vom Bundesamt für Energie (BFE) untersuchte EKZ in den darauffolgenden drei Jahren in der Zürcher Gemeinde Winkel, wie intelligente Netze dazu beitragen können, den Netzausbau zu reduzieren oder diesen zumindest hinauszuzögern. Konkret wurde untersucht, wie der Stromverbrauch mit intelligenten Systemen und tariflichen Anreizen gesteuert werden kann und Lastspitzen im Netz so gebrochen werden können. Denn je geringer die Spitzenlast, desto weniger Netzausbau ist nötig. Vereinfacht gesagt: Die Leistung bestimmt, wie das Netz dimensioniert werden muss.
Ziel und Ansatz von OrtsNetz
Die dezentrale Stromerzeugung und die zunehmende Elektrifizierung in den Bereichen Mobilität und Wärme stellen erhebliche Anforderungen an das Stromnetz. Variable Lasten und lokale Stromspeicher können dazu beitragen, das Netz zu entlasten und so den weiteren Ausbau der lokalen Erzeugung zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, sollte jedoch nicht (nur) eine hohe Eigenverbrauchsquote belohnt werden, sondern es muss eine gleichmässigere Netzauslastung erreicht und die Kosten des Netzes müssen fair verteilt werden. Ziel des Pilotprojekts OrtsNetz war es, durch eine gleichmässigere Netzauslastung und eine faire Kostenverteilung ein Netz der Zukunft zu ermöglichen, das den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien unterstützt. Der Ansatz von EKZ zielte darauf ab, netzdienliches Kundenverhalten über dynamische Tarife zu belohnen, die Attraktivität intelligenter Steuerungsmechanismen zu erhöhen und schliesslich ein gesellschaftlich erwünschtes Verhalten der Netzteilnehmer zu fördern.
Anders ausgedrückt: OrtsNetz wurde ins Leben gerufen, um Alternativen zum klassischen Netzausbau zu entwickeln. Statt den Ausbau der physischen Infrastruktur voranzutreiben, liegt der Fokus im OrtsNetz auf einer intelligenten Nutzung der vorhandenen Netzressourcen. Dabei spielen drei zentrale Elemente eine Rolle:
- Neue Tarifmodelle: Diese bieten Preisvariationen, die darauf abzielen, den Stromverbrauch in Zeiten geringer Nachfrage und/oder hoher Einspeisung zu lenken.
- Automatisierung und Lastmanagement: Durch automatisierte Systeme können Lasten effizient verteilt und Spitzenbelastungen reduziert werden.
- Speichertechnologien: Lokale Speicherlösungen ergänzen das System.
Ein entscheidender Vorteil der getesteten Elemente ist ihre Skalierbarkeit: Sie können nicht nur im lokalen Pilotprojekt in Winkel angewendet werden, sondern lassen sich auch auf andere Netze – sprich das gesamte EKZ-Versorgungsgebiet – ausweiten. Durch die Integration der lokalen Nutzung von lokal produzierter Solarenergie ermöglicht OrtsNetz zudem eine effiziente Nutzung von erneuerbaren Energien.
Warum gerade in Winkel?
Für die erfolgreiche Umsetzung von OrtsNetz wurde sowohl aufseiten der Kundinnen und Kunden als auch aufseiten von EKZ die modernste Infrastruktur benötigt. Eine Ausgangslage, die in Winkel gegeben war. So war die Gemeinde beim Smart-Meter-Rollout weit fortgeschritten und hatte zudem auch die Trafostationen bereits mit Glasfaseranschluss ausgerüstet. Hinzu kam, dass in Winkel vergleichsweise viele Photovoltaikanlagen sowie zahlreiche flexible Lasten wie Boiler, Wärmepumpen und Ladestationen vorhanden waren. Somit sah das Netz in Winkel bereits zum Start des Projekts so aus, wie viele Netze in den nächsten 10 bis 15 Jahren aussehen werden.