Stéphane Maret, im Wallis tut sich in Sachen Solarenergie einiges …
Ja, tatsächlich. Wir haben soeben die Planung des Projekts Grengiols-Solar bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um eine der grössten Solaranlagen der Schweiz. Dieses Projekt zeigt das Engagement der Gemeinde Grengiols, der fünf Trägerunternehmen – darunter die zwei Walliser Energieunternehmen FMV und EnBag sowie Energieunternehmen aus der ganzen Schweiz wie die EKZ aus Zürich, die Basler IWB und die Groupe E aus der Romandie – sowie von Partnern aus dem Wallis, die sich für die Winterproduktion von Strom aus erneuerbaren Quellen interessieren.
Den Kern des Projekts bildet ein doppeltes Dreamteam: Der Produzent in den Walliser Alpen verzeichnet selbst nur einen geringen Verbrauch, während das Produktionspotenzial im Schweizer Mittelland klein ist, der Energiebedarf dort jedoch hoch. Das zweite Dreamteam «Wasserkraft/Photovoltaik» ist die perfekte Ergänzung. Unser Kanton befindet sich in den Alpen und weist im Vergleich zum Rest der Schweiz eine 15 bis 20 Prozent höhere Sonnenscheindauer auf und verfügt über den grössten Wasserkraftpark der Schweiz.
Ich bin davon überzeugt, dass das Wallis für die Umsetzung der Energiewende Teil der Lösung ist. Die alpine Photovoltaik, wie sie in Grengiols geplant ist, trägt definitiv zur Versorgungssicherheit in der Schweiz bei.
Was ist die Besonderheit des Projekts Grengiols-Solar?
Grengiols ist ein Grossprojekt der alpinen Photovoltaik im Wallis. Es soll 600 GWh liefern und rund 200 000 Haushalte mit Strom versorgen. Diese Prognose umfasst jedoch nur die Solarenergie. Allerdings besteht im Wallis die Möglichkeit, Sonne und Wasser zu kombinieren. Nimmt man also noch die Wasserkraft hinzu, beträgt das Potenzial 1200 GWh, wovon rund die Hälfte im Winter erzeugt wird.
Wie sehen Sie diese Kombination mit der Wasserkraft?
Diese Solaranlage lässt sich ideal mit der Planung des neuen, vier Kilometer entfernten Speicherkraftwerks Chummensee der GKW kombinieren. Der im Rahmen des Runden Tisches Wasserkraft ausgehandelte Bau dieses Kraftwerks wird unabhängig von Grengiols-Solar erfolgen. Die Umwelt- und Machbarkeitsstudien werden demnächst in Angriff genommen.
Heute durchfliesst das Wasser verschiedene Laufkraftwerke. Das neue Projekt umfasst neben dem Chummensee mehrere zusätzliche Pumpkraftwerke. So wird die überschüssige Energie von Grengiols-Solar in wertvollen, raren Winterstrom umgewandelt. Der Chummensee eignet sich also wunderbar als Speicher für die Solaranlage. Damit verfügen wir über ein grosses jährliches Stromproduktionspotenzial, das planbar und dank Speicherung jederzeit verfügbar ist.
Wie muss man sich den Anschluss an das Netz vorstellen?
Die Errichtung einer Anlage in der Grössenordnung von Grengiols-Solar braucht mehrere Jahre, weil nur in den Sommermonaten gebaut werden kann. Allerdings sollte die Anlage ab Ende 2025 die gesetzlich geforderte Kapazität ins Netz einspeisen.
Der Strom wird zunächst über eine vorübergehende Freileitung vom Berg nach Heiligkreuz transportiert, wo sie in die bestehende 65-Kilovolt-Leitung ins Rhonetal eingespeist wird. Um die erwartete minimale Produktion in den ersten Jahren aufnehmen zu können, werden im regionalen Verteilnetz sowie im Übertragungsnetz von Swissgrid entsprechende Kapazitäten bereitstehen. Anschliessend ist geplant, die Freileitung zwischen der Anlage und Heiligkreuz in einen Kabelstollen zu verlegen. Für den Anschluss an das Übertragungsnetz von Swissgrid werden Varianten mit Freileitungen und unterirdischen Leitungen geprüft.