Die Ergebnisse der «Energiezukunft 2050» wurden im Dezember veröffentlicht. Was war das Ziel der drei Expertenworkshop, die im Frühling stattfanden?
Wir präsentierten die Ergebnisse unseren Mitgliedern bereits im Dezember kurz nach der Veröffentlichung in einer Online-Session und mit einem Sondernewsletter, zudem waren wir an vielen Veranstaltungen auf der Managementebene präsent. Es war uns aber ein Anliegen, den Dialog zu vertiefen und die Ergebnisse auch mit den Expertinnen und Experten unserer Mitgliedunternehmen zu diskutieren. Die Simulation des Gesamtenergiesystems, wie wir sie zusammen mit der Empa durchgeführt haben, ist ein komplexes Unterfangen, das auf vielen Annahmen und Daten basiert. Da geht es um viel Theorie und es ist immer gut, wenn diese mit der Praxis verbunden wird. Diese Stimmen, auch kritische, wollten wir einfangen. Denn wir möchten unsere Simulationen und Zukunftsszenarien weiterentwickeln, um möglichst genau zu wissen, was es für eine sichere, klimaneutrale und bezahlbare Energiezukunft braucht.
In welchen Aspekten zeigte sich denn eine vermeintliche Kluft zwischen Theorie und Praxis?
Die Expertinnen und Experten merkten zum Beispiel an, dass es insbesondere bei den Themen Wasserstoff und Importabhängigkeit eine grosse Lücke zwischen den Ergebnissen der «Energiezukunft 2050» und der heutigen Realität und politischen Diskussion gibt. Angeregt haben wir auch darüber diskutiert, ob und inwiefern sich die Klimaveränderungen auf die Wasserkraftproduktion auswirken werden.
Das Thema Wasserstoff generierte über alle drei Workshops gesehen den grössten Diskussionsstoff. Worum ging es konkret?
In der Studie nehmen wir an, dass Europa bis 2040 im grossen Stil eine Wasserstoffinfrastruktur aufbaut, von der auch die Schweiz profitiert, sofern sie energiepolitisch bis dann enger mit der EU zusammenarbeitet. Die Rückmeldungen suggerierten, dass diese Entwicklungen mit viel Hoffnung verbunden und Annahmen wie auch Stellenwert, die dem Wasserstoff im zukünftigen Energiesystem eingeräumt wird, verglichen mit anderen Studien sehr optimistisch sind. Es wurde auch nachgebohrt, wieso der Wasserstoff-Import günstiger sei, als wenn Wasserstoff im Inland hergestellt würde, und unter welchen Umständen eine wirtschaftliche inländische Wasserstofferzeugung möglich wäre.