Die Schweiz steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigt die Nachfrage nach sauberem Strom durch Elektromobilität, Digitalisierung und Wärmepumpen. Andererseits wird die Stromproduktion zunehmend volatil, da Wind- und Solarenergie wetterabhängig einspeisen. Netzbetreiber müssen zunehmend Frequenzschwankungen und Lastspitzen in Echtzeit ausgleichen, um Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu garantieren.
Hier setzte V2X Suisse an: In einem gross angelegten Demonstrationsprojekt wurde getestet, wie bidirektionale Elektroautos in der Praxis nicht nur Strom verbrauchen, sondern als mobile Speicher auch Strom ins Netz zurückspeisen können. Damit wird intelligente Elektromobilität zum aktiven Teil des Energiesystems.
Wer und was steckt hinter V2X Suisse?
V2X steht für «Vehicle-to-Everything» – also die Fähigkeit, Energie und Daten zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung auszutauschen. Im engeren Sinn wurde im Projekt «Vehicle-to-Grid» (V2G) umgesetzt: die bidirektionalen Stromflüsse zwischen Fahrzeugen und Stromnetz.
Insgesamt wurden schweizweit 50 bidirektionale Honda e und 40 Ladestationen an öffentlichen Standorten in das Carsharing-Netz von Mobility integriert.
Das Projekt wurde von sieben Partnerfirmen getragen:
- Mobility als Carsharing-Anbieter, der Fahrzeuge bereitstellt
- Honda Schweiz mit serienreifen E-Fahrzeugen und Honda Power Manager
- Honda R&D Europe für das Data Storage System
- EVTEC mit bidirektionalen Ladestationen
- Sun2Wheel mit der Cloud-to-Cloud-Steuerungsplattform
- tiko als Aggregator, der Netzdienste bündelt
- novatlantis für Projektmanagement sowie Wissens- und Technologietransfer
Die Fahrzeuge als Teil der Mobility Carsharing Flotte
Mobility mit ihren über 200’000 Kundinnen und Kunden bietet schweizweit an 1’500 Standorten mit über 3’000 Fahrzeugen Return-Carsharing an. Das heisst, ein Auto wird an einem Standort abgeholt, für das Mobilitätsbedürfnis genutzt und wieder am selben Standort zurückgegeben.
Bei einem Elektrofahrzeug (electric vehicle, EV) muss das Fahrzeug nach der Rückgabe an der Ladestation auf dem Standort-Parkplatz eingesteckt werden. Zu Projektbeginn verfügten mehr als 600 Parkplätze über eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos. 50 dieser Parkplätze wurden für V2X Suisse mit bidirektionalen Ladestationen und dem Serienfahrzeug Honde e (vgl. Abbildung 1) ausgerüstet.
Bis Projektende hatten Kundinnen und Kunden mit den bidirektionalen Honda e bereits mehr als 800'000 Kilometer zurückgelegt. Wenn die Fahrzeuge jedoch nicht gefahren und auch nicht geladen wurden, standen die gepoolten Batterien als grosser virtueller Speicher für Netzdienstleistungen zur Verfügung.